Donnerstag, 12. Februar 2009

3,5 Wochen nach der Diagnose

Sorry Leute, dass Ihr solange auf den nächsten Post warten mußtet, aber in den letzten Tagen ist wirklich nicht so viel erwähnenswertes passiert. Habe seit meinem letzten Eintrag einige wichtige organisatorische Dinge erledigen können. U.a. habe ich mir einiges Info-Material über meinen Krebs von der deutschen Krebshilfe schicken lassen. Wirklich sehr gute Infos zu Thema, mit einigen Anregungen für einen guten Umgang mit der Krankheit. Kann man sich alles kostenfrei übers Internet schicken lassen, is echt ne gute Sache. So nach und nach bekommt man also ein Bild von der Krankheit und man erkennt, was eigentlich alles dahinter steckt, was es bedeutet schwer krank zu sein. Dadurch, dass ich körperlich in einem guten Zustand bin, ist mir das schon ein wenig schwer gefallen, das so zu akzeptieren. Immerhin wäre die Diagnose Lymphdrüsenkrebs, so krass es klingt, vor 30 Jahren noch ein Todesurteil für mich gewesen.
Jetzt möchte ich Euch noch kurz von meinen letzten drei Tagen erzählen:
Wie manche von Euch vielleicht wissen, ist eine mögliche der Nebenwirkungen einer Chemotherapie die Sterilität, also Unfruchtbarkeit. Bei jedem männlichen Patient kann es vorkommen, dass durch die Chemo nicht nur kranke Zellen, sondern auch gesunde Zellen mit geringer Widerstandsfähigkeit zerstört werden (unter anderem auch Haarwurzelzellen, deshalb der mögliche Haarausfall). Samenzellen gehören auch in diese Kategorie. Deshalb raten einem die meissten Onkologen dazu, sich über einen möglichen Kinderwunsch Gedanken zu machen. Obwohl für beinahe alle männlichen Patienten die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dauerhaft unfruchtbar zu bleiben (wenn man nicht schon unfruchtbar ist), kommt es doch in einigen Fällen vor. Außerdem liegt die durchschnittliche Regenerationszeit von Samenzellen im Bereich zwischen 5 und 10 Jahren, je nach Intensität der Therapie und wer möchte schon wie in meinem Fall erst mit 35 Vater werden? So wie ich Euch kenne – mit Sicherheit einige ;-)
Um verhindern zu können, dass man niemals Vater wird, gibt es die Möglichkeit des Eingefrierens von Samenzellen. Genau das habe ich die letzten 3 Tage gemacht. Also ab in die Hautklinik der Uni Tübingen, dann ans zuständige Labor weitervermittelt worden und von dort aus gings dann ab in die berühmt, berüchtigte Kabine: Ihr könnt euch nicht vorstellen wie die aussah: Ich schätze ihre Größe mal so auf knapp 3 mal 3 Meter, gerade genug Platz für eine Liege und einen Stuhl, ein Fenster mit runtergelassenem Rollladen und einem grellen Neonlicht, das nach ca. 4 Minuten angefangen hat zu flackern. Nicht gerade die romantischste Stimmung, um sich auf seinen besten Freund zu konzentrieren. Oh Mann, das erste Mal hats schon ein bisschen gedauert, v.a. ist mir anfangs noch die Medizinisch-Technische- Assistentin aus dem Labor im Kopf herumgeschwirrt, die ungefähr 60 war und aussah wie die Hexe aus Hänsel und Gretel. Und verdammt – habt Ihr schon mal probiert, im richtigen Moment in ein Röhrchen zu treffen, das ungefähr einen Umfang von 4 cm hat ????!! Nich so einfach meine Lieben, ich sags Euch ;-) Nach 15 Min. war ich dann endlich fertig und hab mich schnell unauffällig verzogen.
Naja, auf jeden Fall musste ich innerhalb von 3 Tagen 3 Proben abgeben, eine davon wurde auf meine Spermienanzahl und deren Beweglichkeit untersucht, also ob ich überhaupt zeugungsfähig bin. Mein Ergebnis: Tadaaaaaaaaaaaaaaaaaaa: 35 Millionen Spermien, die wohl nur so im Okular des Mikroskops umhergeschossen sind, auf der Suche nach einer zu begattenden Eizelle. Kein Scherz – die hätten eine super Beweglichkeit gehabt. Na, da sind wir aber froh. Gell, Schatz ;-) ???
Bei den beiden anderen Abgaben verlief es dann schon besser, nur dass ich leider erst am Ende meines zweiten „Aktes“ die Pornozeitschriften unter der Liege bemerkt habe, die mich bei meinem Geschäft hätten unterstützen sollen – VERDAMMT – ;-)
Heute früh dann noch die letzte Probe abgegeben und jetzt gehen sie in ein Labor in Koblenz, bei denen ich einen Vertrag zur Stickstofflagerung unterschrieben habe, der mich im Jahr ca. 350 Euros kosten wird. Trotzdem denke ich war es der Aufwand wert.
Ja – und heute Mittag ging es dann schließlich um alles:
Sonographie und Abschlussgespräch vor der Therapie. Der Schall verlief überaus positiv: laut meinem Onkologen ist wirklich nur der rechte Halsbereich betroffen, dafür dieser ziemlich heftig. Mit einer Spezialmethode konnte er die Durchblutung dieses Bereichs darstellen, was an sich ein gutes Bild der Aktivität der Immunabwehr widerspiegelt. Waren wirklich beeindruckende Aufnahmen. Herausgekommen ist schließlich, dass ich am ersten, also niedrigsten Stadium erkrankt bin. Obwohl ich noch einiges Glück hatte, da der Arzt mir erzählt hatte, dass der vorläufige Befund der Knochenmarkergebnisse positiv war. Das hätte 4. Stadium bedeutet. Zum Glück ging auch dieser Befund in ein Speziallabor, wohl auch nach Ulm, das diese Diagnose zurückzog und versichert hat, dass das Knochenmark nicht befallen ist. Ihr seht wie wichtige eine zweite Meinung in solchen Fällen ist.
Auf die Therapie bezogen heißt das, dass ich wohl, wenn alles mit den Krankenkassen gut läuft, wie erwartet eine abgeschwächte Chemo – in Verbindung mit der Antikörpertherapie bekomme und zum Schluß – um wirklich sicher zu gehen, dass keine bösartigen Zellen mehr vorhanden sind – eine Nachbestrahlung.
Das sind auf jeden Fall die Empfehlungen meines Onkologen. Diese Ergebnisse und die meines gesamten „stagings“ gehen jetzt noch an das Referenzzentrum in Köln, die dann in Absprache mit Spezialisten, die u.a. an Studien zum Thema Hodgkin mitgearbeitet haben, eine endgültige Therapieentscheidung fällen werden. Wie das ganze ausgegangen ist, werde ich nächste Woche erfahren, damit man, wenn’s gut läuft übernächste Woche mit der Therapie beginnen kann.
Wie Ihr seht, kann ich wirklich froh sein, dass man diese Krankheit so früh erkannt hat. Deshalb möchte ich Euch abschließend auf den Weg geben, dass falls Ihr irgendwann mal an etwas ungewöhnlichem erkrankt seid Ihr Euch auf jeden Fall eine Zweitmeinung einholen solltet und Euch nicht so schnell abwimmeln lasst.
Wie wichtig das sein kann, seht Ihr in meinem Fall.
Ansonsten wünsche ich Euch allen ein erholsames Wo-ende und ne gute Zeit –
Werde mich dann nächste Woche wieder melden sobald es was Neues gibt.
Fühlt Euch dickst umarmt,
Euer Felix

Kommentare:

Frau Schnecke hat gesagt…

Lieber Felix!
Ich bin froh, dass es Dir soweit gut geht, Du Deinen Humor nicht verloren hast und ich über Deinen Blog immer informiert bin, wie es dir geht!
Ich denke an Dich und drücke dir von ganzem Herzen die Daumen!
Ich hab Dich lieb!
Marie

Chrisse* hat gesagt…

35 Millionen...da is ja ganz schön was los:-)!!Kuss

maksssimi hat gesagt…

Hellau

sehr männlich, hörhörhör....
Halt die Ohren steif mein Gutster
Denk an dich